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Buggy Tour Malaga

Axarquia

An der 50 km langen Küste der Axarquia wirkt das Wasser ausgleichend, mildert die Temperatur im Sommer wie im Winter. An diesem Sonnenplatz gedeihen die Muskatellertrauben, frühes Obst und die schönsten Blumen. Vom Strand her sehen wir die wilden Gipfel, die die Grenze zur Provinz Granada bilden, wohin wir über den Bergpaß von Zafarraya in 920m Höhe gelangen können. La Maroma in der Sierra Tejeda ist mit 2.065m der höchste Berg der Region; der Gipfel ist manchmal verschneit. Die Vorgebirge schieben ihre Ausläufer stellenweise bis ins Meer vor und bilden steile Felsenküsten und Buchten. Nach Niederschlägen bringen die Flüsse und Schluchten reichlich Regenwasser herunter, manchmal auch Schmelzwasser. Namen wie Rio Seco zeigen an, dass diese Flüsse den größten Teil des Jahres trocken liegen. Der Rio Velez ist die wichtigste Wasserader mit einem riesigen Einzugsgebiet. Unzählige Bäche von den hohen nackten Bergen vereinigen sich zu Flüssen, die in den Rio Velez münden. Manchmal konnte er die Wassermassen nicht fassen; er trat aus seinem breiten Becken und riss alles mit sich, was seinen Weg hemmte. Der Stausee von La Vinuela schafft Abhilfe; die Ströme werden aufgefangen und dienen der besseren Wasserversorgung der unteren Axarquia. Der Stausee bildet ungefähr die geografische Mitte der Mark. Die Niederschlagsmengen in den 31 Gemeinden der "Comarca" sind sehr unterschiedlich: von 433 Liter in Torre del Mar bis 1.045 Liter in 925m Höhe in Alfarnate. Von der Hochebene von Zafarraya her fließen von Norden nach Süden unterirdische Ströme, die verschiedentlich Erdrutsche verursacht haben. Zeitweise bereitet der Mangel an Niederschlägen große Sorgen, und der Wind trocknet das Land aus. Der "Levante", der Ostwind, ist meistens angenehm. Der "Poniente" sollte Regen vom Atlantik her bringen, aber meistens sind es nur Wolken. Der "verrückte Terral", der heiße trockene Landwind, dörrt die Erde aus und lässt unsere Haut prickeln.

Bevor die Axarquia sich dem Tourismus erschloss, lebte sie ausschließlich von der Landwirtschaft. Noch heute steht die Landwirtschaft an erster Stelle der Einkommensskala. Genau genommen lebt sie teilweise auch vom DSC 5420 smallTourismus. Die vielseitige Gastronomie nutzt das reichhaltige Angebot aus Landwirtschaft und Fischfang. Die Küche der Axarquia basiert auf Olivenöl, Fisch und Feldprodukten. Der landwirtschaftliche Anbau hat eine große Veränderung erfahren. Zuckerrohr wurde immer weniger rentabel, die Zuckerfabriken stehen als Ruinen in der Landschaft; auch die "Azucarera" in Torre del Mar wurde stillgelegt. Was in der Gegend noch geerntet wird, geht per Lastwagen nach Motril in die Rumfabrik.
Im Anbau gibt es starke Kontraste: In den fruchtbaren Niederungen wachsen vor allem Kartoffeln und Gemüse; auf den bewässerten mittleren Feldern gedeihen tropische Früchte und in den bergigen Zonen wie von altersher Oliven, Mandeln und Trauben; die Feigenbäume sind selten geworden.
Die Landarbeit unter der glühenden Sonne verlangt großen Einsatz. Die Meeresbrise lindert zwar etwas die lastende, kräfteverschleißende Sommerhitze, aber die Campe- sinos tun gut daran, schon vor Sonnenaufgang zu arbeiten, um sich während der größten Hitze zur Siesta zurückzuziehen. Bei der Ernte helfen alle Familienmitglieder mit, dazu haben sie am Sonntag die meiste Zeit. Die Bauern bieten ein immer breiteres Angebot an Gemüse aus den Treibhäusern, die mehrere Ernten im Jahr bringen. Leider verschandeln diese "Invernaderos" zunehmend die Landschaft, denen dazu nachgesagt wird, dass sie das Klima ungünstig beeinflussen.
Zu jeder Jahreszeit können wir Gemüse kaufen, das wir in den nördlichen Breiten nicht in Feld und Garten sehen. Auberginen, Stangensellerie, Brokkoli, Fenchel, Knoblauch, Mangold, Paprika, Peperoni, Süßkartoffeln, Fleischtomaten und verschiedene Salatsorten. Oliven erntet man hauptsächlich von November bis Februar, von November bis Januar Orangen, Zitronen und Avocados, im April Mispeln und Erdbeeren, im Mai Aprikosen, im Juni Pflaumen, Kirschen, Frühfeigen, im Juli Birnen, Melonen, im August Pfirsiche, Feigen, Birnen, Trauben, MandeIn, Kaktusfeigen, im September Trauben, im Oktober Nüsse, Mango, im November Granatäpfel, Papayas, Chirimoyas, Edelkastanien, essbare Eicheln, im Dezember Passionsfrüchte.
Große Flächen in den Bergen bieten nur Schafen und Ziegen Nahrung. Einst gab es um die Gebirgsdörfer reiche Wälder. Sie lieferten Holz für den Schiffbau, Brennholz für die Zuckersiedereien, Bäckereien und Ziegeleien, sowie Holzkohle für den Hausbrand in den Städten.
"Los Carboneros" ist ein erhalten gebliebener Name für Zonen, wo einst die Meiler der Köhler rauchten. Maultiertreiber brachten die Kohle nach Malaga. Den Rest des Holzes verfeuerte die spätere Industrie. Die Verkarstung ist das Werk von Menschenhand. Man hat unverantwortlicherweise das Setzen neuer Bäume versäumt. In den letzten Jahren sind erstaunliche Bemühungen festzustellen, die Berge wieder aufzuforsten, selbst in großer Höhe und an steilen Hängen. In den Bergen findet man eine reiche Flora und Fauna. Viele Tierarten sind gefährdet durch die weitverbreitete Jägerei und Fallenstellereiund mussten geschützt werden. Unter den Wildpflanzen sind viele als Gewürze zu verwenden; wir können hier Rosmarin, Thymian und Kapern selbst sammeln.

So hart die Axarquinos zu arbeiten verstehen, so kräftig verstehen sie auch, Feste zu feiern. Bei den Volksfesten werden viele traditionelle Aktivitäten gepflegt, wie die Verdiales und Fandangos, alte Lieder und Tänze aus den Bergen von Malaga. Die ursprüngliche Begleitmusik erfolgt auf Violinen mit zwei Stahlsaiten, Gitarren und Tamburins. Beim Fehlen von Instrumenten kamen auch Mörser und andere Küchengeräte zum Einsatz.
Wer gern zeitig einkaufen geht, kann frisches Obst und Gemüse in den reichbestückten Markthallen wählen und das seltsamste Meeresgetier bestaunen. Auch die überquellenden Obst- und Gemüsestände auf dem Wochenmarkt sind eine Augenweide. Das heitere Gewimmel der Wochenmärkte darf man sich nicht entgehen lassen. Sie finden Montags in Torrox-Costa, Dienstags in Nerja, Mittwochs in Algarrobo-Costa und Rincon de la Victoria, Donnerstags in Velez-MalagaTorre del Mar und Frigiliana, Samstags in Competa und La Caleta de Velez statt. Freitags können wir die Märkte von Almunecar und La Herradura besuchen.
In den bunten Budenreihen werden Kleidung, Wäsche und Lederwaren, Haushaltsartikel, Antiquitäten, Spielzeug, Modeschmuck und allerlei Schnickschnack angeboten; häufig von Zigeunern, die keine festen Preise haben, ebenso wie die Teppichhändler aus Afrika. Die "Gitanos" haben manchmal nur ein Bündel auf dem Boden ausgebreitet und verschwinden, wenn Polizei auftaucht. Andere haben feste Stände und Stammkundschaft, auch unter den Deutschen. Sie sind vom Markt nicht wegzudenken. Den Flamenco, der schon vor ihrer Zeit entstand, haben sie zur Vollkommenheit gebracht, und das Rüschenkleid, das bei den Volksfesten eine Rolle spielt, stammt von ihnen.
Schon vor langer Zeit sind sie in Spanien eingewandert. Ihre Stämme aus Vorderindien zogen über den Balkan und verstreuten sich über Europa. Immer wieder vertrieben, führten sie ein unstetes Leben, wurden verfolgt und für "vogelfrei" erklärt. Spanien wurde ihr "gelobtes Land", als König Carlos III. ihnen 1783 die vollen Bürgerrechte
gewährte. Viele haben sich integriert, andere separieren sich und bewahren ihre Bräuche. Für viele Ausländer sind die Gitarre und der Flamenco der romantische Inbegriff von Spanien.
Aber auch Spanien lebt im zwanzigsten Jahrhundert. Wo früher Mulis und Esel die Lasten schleppten, sorgt heute eine ganze Flotte von Kraftfahrzeugen für die Beförderung von Personen und Gütern. Als Ibn Batuta, ägyptisch Abd-al-Basit, der berühmte Weltreisende des 15. Jahrhunderts, der auch Orte wie Aden, Timbuktu und Peking auf das Genaueste beschrieben hat, 1465 durch die Axarquia reiste, war das Reisen noch beschwerlich. Er war in Malaga an Land gegangen, um nach Granada zu gelangen und hat in seinem Reisetagebuch ,,O Ribla" seinen Weg entlang der Küste, über Velez zur Venta von Zafarraya, beschrieben. Was den Reisenden am stärksten beeindruckte, waren die Farben über dem Horizont, die uns noch heute entzücken.

Erst zu Beginn unseres Jahrhunderts wurde das Reisen angenehmer, und von 1911 bis 1958 konnte man von Malaga zum Bergpass bei Zafarraya mit der Eisenbahn fahren. Die Bank von Belgien in Antwerpen finanzierte den Bau der "Vorortbahn" von Malaga nach Velez. Die Strecke maß 35,434 km; ihr Bau wurde am 29. November 1904 begonnen und am 26. Juni 1906 eingeweiht. Auf der Trasse der alten Saumpfade brachten die Bauern nun ihre Produkte bis zum Hafen von Malaga. 1911 wurde durch die Gründung eines Eisenbahnvereins die Strecke in Form einer Zahnradbahn weitergeführt bis zu den Ventas von Zafarraya.
Der "Trenecillo" durchquerte das Becken des Rio Velez mit seinen Schwarzpappeln, Weiden und Rizinusbüschen. An der Abzweigung nach Benamargosa entstand die Station Trapiche und seine mit dem Geld amerikanischer "Heimkehrer" erbaute neue Zuckerfabrik. Über Brücken und durch Tunnel, vorbei an der Venta de Vinuela, die sich dank der Eisenbahn zu einem Dorf auswuchs, an der Puente de Don Manuel vorbei ging es zur Station Periana, dann stieg der Schienenweg stark an zum Cerro de Fuerte und lief in 900rn Höhe den Ventas von Zafarraya entgegen, die schon in der Provinz Granada liegen.Der englische Schriftsteller Gerald Brenan, der viele Jahre in der Alpujarra lebte, schilderte diese Bahnfahrt auf seiner Reise nach Granada, wo er das Grab des im Bürgerkrieg ermordeten großen Dichters Federico Garcia Lorca suchen wollte. "Hinter Velez begann der Zug auf gezahnten Schienen zu klettern. Den ganzen Nachmittag wand er sich zwischen roten, erdigen Hügeln, die mit Weinstöcken bedeckt waren; dann ging es mit halsbrecherischer Geschwindigkeit abwärts, dann wieder
bergauf zu einem Pass. Als wir den Gipfel erreichten, der zugleich Endstation ist, war es ziemlich dunkel, und wir stopften uns in einen Kleinbus, der uns die 20 Meilen nach Alhama bringen würde."
Die Küsten-Kleinbahn wurde 1968 stillgelegt, die Trasse hat sich stellenweise das Meer geholt. Die Schmalspurbahn könnte dem modernen Verkehr nicht mehr genügen; eine Strand-Straße verläuft teilweise auf dem alten Bahndamm. Die alten Bahnhöfe dienen anderen Zwecken, und in Torre del Mar wurde die Bahnstation zum Busbahnhof umgestaltet. In der Festschrift zu Santiaga y Ana 1995 in Torre del Mar betrauert Martin Galan Herrero den Verlust der Bahn in einem Gedicht:

Du warst kein Talgo, bescheidene Kleinbahn, kleiner alter Zug der besseren Jahre. Tausendfüßler an der Küste
mit deinem anmutigen Auf und Ab, wie ein Zigeunel: Bähnchen, einfältig und ländlich,
liefst durch die Vega und ihr Grün, am Meer entlang als Zug der Fischer; oder du klettertest auf die Berge, Bergzug.
Es gab wenige Badende an der Küste und weder Chalets noch Appartements von Torre del Mar bis Zqfarraya.
..Heute gehen die Landstraßen an den Ufern des Meeres mitten durch mein Herz. Ich höre noch die kindliche Pfeife deines Dampfkessels.

Jetzt kann man mit Omnibussen jede halbe Stunde nach Malaga fahren. Die Dörfer sind an das Busnetz angeschlossen. Der Autoverkehr wird immer dichter. 1997 hat die Einwohnerzahl der Axarquia 135.000 erreicht; dazu kommt in den Sommermonaten das Vielfache an Touristen. Dann sind die Hauptstraßen dem Verkehr nicht gewachsen. Im August, wenn in Frankreich die Fabriken schließen und die marokkanischen und algerischen Arbeiter zur Überfahrt nach AIgeciras streben, entstehen endlose Staustrecken. Glücklicherweise wird endlich die Autobahn von Malaga weitergebaut. Gleichzeitig sind die Straße nach Velez-Malaga zur Autobahnauffahrt vierspurig ausgebaut worden. Die Fahrpläne der Linienbusse sind auf die Bedürfnisse der Bevölkerung abgestimmt, sie fahren morgens herunter zur Küste und am Nachmittag zurück in die Dörfer. Für Wanderer ohne eigenen Wagen ist es schwierig, am Morgen in die freie Landschaft zu gelangen. Es ist möglich, ein Auto zu mieten, es sogar zum Flughafen zu bestellen und es bei der Abreise dort wieder abzustellen- Das Fahren auf den schmalen kurvenreichen Straßen verlangt viel Erfahrung und größte Aufmerksamkeit.

"Die Landschaft erobert man mit den Fußsohlen, nicht mit den Autoreifen", sagt George Duhamel. Wir bringen die Liebe zu Land und Leuten mit, wollen sehen, wie man anderswo lebt, wollen die Natur beobachten und einfach unterwegs sein. Wildlebende Tiere haben wir in der Axarquia kaum gesehen, nur kreisende Raubvögel in den Bergen. Aber wir fanden Blumen, die uns unbekannt waren oder die wir nur als Kulturpflanzen kennen, bewunderten die Blüten des Kapernstrauches und tippten die Früchte der Spritzgurke an, die ihre Samen mit einem Wasserstrahl von sich schleudert.
Am Strand zu wandern, mit den Wellenzungen zu spielen, Muscheln zu suchen, mit Fischern zu plaudern oder mit den freundlichen Hunden und Katzen zu spielen, ist auch ein schönes Erlebnis, aber es ist anstrengend, im Sand zu stapfen oder Felsenriffe zu übersteigen, die den Weg versperren. Antonio Machado sagt über das Wandern: "Es gibt keinen Weg. Der Weg entsteht beim Gehen." Allerdings: In Spanien ist das Wandern nicht populär, und aus der spanischen Literatur erfährt man, dass das Zu-Fuß-Gehen verachtet war. Im "Don Quijote" empfängt Teresa Pans ihren Sancho mit den Worten: "Ei, Mann, wie kommst du daher! Ich glaube gar, du gehst zu Fuß, wie ein Hund!" Spanischen Wandersleuten sind wir nur im Naturpark Sierra Cazorla, am Rio Borosa, begegnet, die wir von fern für Deutsche hielten, weil sie Kniebundhosen und rotkarierte Hemden trugen. Es waren Wanderfreunde aus Madrid, die uns berichteten, dass die Wanderbewegung sich in den Großstädten ausbreitet. Sie reisten "En cache de San Fernanda, un ratita a pie y atra andanda", das heißt wörtlich: "In der Kutsche von San Fernando, ein Weilchen zu Fuß dann wandernd". Der Heilige Ferdinand hatte als Wanderprediger ebensowenig eine Kutsche wie unsere Wanderburschen ein Pferd hatten, wenn sie "auf Schusters Rappen" reisten.
In den Hochsommermonaten wird unsere Wanderlust gedämpft. Dann genießen wir das Wasser, suchen den Schatten und bekommen Verständnis für die spanische Siesta. In den Abendstunden unternehmen wie lange Spaziergänge am Meer, und der Mond und die Sterne erscheinen uns viel näher und größer in der klaren Luft. Ob Wanderzeit, ob Badezeit, -immer ist es schön hier in der Axarquia! .

Elisabeth Klehr aus der Postille